Je höher, desto tiefer

Je höher wir uns aufschwingen und je weiter wir unser Herz öffnen, unser Tor zum Sein, desto mehr Gefühle können auch von unten durch uns hindurchfließen. Öffnung ist immer Öffnung in beide Richtungen, nach oben und nach unten. Auf dem Weg ins Sein gehen wir durch Prozesse, die größere Wut, heftigere Trauer zutage fördern, uns mit allen bisher eingesperrten Gefühlen konfrontieren. Sie fließen durch uns hindurch, durch das weiter geöffnete Herz, befreien sich so. Und so wachsen wir an ihnen zunehmend in unsere Kraft. Auch das ist ein Training. Die Gefühle wahrzunehmen, zuzulassen, sie anzuschauen und durch sie hindurchzugehen, bzw. sie durch uns hindurchströmen zu lassen, zu begleiten, während sie auftauchen. Und damit die dahinterliegende Kraft oder Weite wahrzunehmen, ihre reine Energie. Ohne Urteil, ohne Wertung. Sie schlicht beobachtend zu begleiten. Und sie trotzdem nicht zu vermeiden, sondern im Gegenteil sie vollkommen zu spüren, geradezu auszukosten. Dann entsteht Lebendigkeit. So verwurzeln wir uns Stufe um Stufe, setzen die Anker immer tiefer in uns, und schaffen die nötige Stabilität für weitere Schritte in unser Sein, für weiteres Wachstum nach oben. Wie eine Sanduhr, deren Sandstrahl durch eine zunehmend erweiterte Öffnung fließt und deren beiden Auswölbungen oben und unten gleichermaßen mitwachsen. Je mehr in beide Richtungen fließt, desto mehr Geben und Nehmen findet statt zwischen Sein und Erfahrung. Das Sein erfährt sich immer intensiver durch uns, um sich weiter und weiter als Sein im Sein zu erkennen.