Sein und Tun

 

Es gibt ein Sein ohne Tun, aber kein Tun ohne Sein. Das Tun kommt immer aus dem Sein. Aber ich kann mir das bewusst machen oder nicht.
Tun und Sein stehen in einem gegenseitigen Verhältnis des Gebens und Nehmens. Wie frei dieser Austausch fließen kann, ist eine Frage meiner Bewusstheit, meiner inneren Ausrichtung. 
Mein Körper hängt an meinem Wesen wie ein Körbchen in der Größe einer Erbse an einem Ballon in der Größe eines Fußballfeldes. Wo schaue ich hin? Womit identifiziere ich mich? Mit meinem vergänglichen Körper? Bleibe ich also mit meinem Blick an der Erbse kleben? Oder gelingt es mir, mich auf das Fußballfeld auszurichten? Und damit auf mein riesengroßes, unvergängliches Wesen?
Jede Sekunde kann ich meine Ausrichtung neu bestimmen. Ich bin aufgerufen, meinen Blick jeden Moment erneut bewusst auf das Sein auszurichten. Der Grad meiner inneren Klarheit und Bewusstheit bestimmt maßgeblich, wie Körper und Wesen bzw. Tun und Sein miteinander kooperieren und inwieweit der Austausch von Geben und Nehmen in beide Richtungen ungestört, sprich frei, fließen kann. Bin ich unbewusst und vom Sein abgeschnitten, dann "reagiert" das Sein zwar auch, aber in der Art willkürlicher Begebenheiten, ohne Führung und Richtung. Dann kann ich schonmal stürmisch hin- und her gewirbelt werden. Und sofort sage ich mir: Stopp! Ausrichtung ändern!